Matthieu Gafsou

Surexposition. Überbelichtung. Die Bilder von Matthieu Gafsou lassen immer ein wenig mehr Licht durch, als es gemäss den fotografischen Normen nötig wäre. Diese Leichtigkeit mit ihrem Überschuss an Helligkeit ist kein willkürlicher Effekt. Vor dem Objektiv von Matthieu Gafsou ähneln Menschen und Dinge übersinnlichen Gestalten oder gar Erscheinungen. Nichts wird bewiesen, sondern mit Umsicht dargestellt, eher vermutend und zweiflerisch als in Form einer Behauptung. Diese ästhetische – und ethische – Voreingenommenheit passt gut zur jüngsten Serie, die der Fotograf aus Lausanne Israel und den besetzten Gebieten gewidmet hat. Welche Region der Welt wird stärker beleuchtet als diese? Welche Gegend hat eine unsicherere Zukunft als diese? Weit entfernt von den Klischees des altüberlieferten, aber immer noch aktuellen Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Juden und Arabern, nimmt Matthieu Gafsou das Tote Meer, den tiefst gelegenen Punkt der Erde (das Tote Meer), die Siedlungen und die ruhenden Kriegswaffen in der Wüste in den Fokus. Die Bilder und die Absicht sind klar: Diese Realität wird von zu viel Gewissheiten geblendet. Sie erinnert an die Szenerie eines hoch dotierten Films, die Gestalten an schlafwandelnde Statisten zwischen zwei Aufnahmen. Unter gleissender Sonne, in unmittelbarer Umgebung neuer Bauten, die der Festung Massada gleichen, sind die Gesetze der Gravitation und des freien Falls wichtiger als irgendwo sonst. Bloss: Dieser Schwere kommt nur ihre Vergänglichkeit gleich. Luc Debraine

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