Julien Berberat

In absentia. In Abwesenheit. Die Protagonisten der Fotografien von Julien Berberat sind auf seinen Bildern nicht zu sehen. Den unglücklichen Roma, die im Zentrum von Genf, von Cornavin über die Brücke Pont de la Machine bis zu den Rues Basses, betteln, wird in Zukunft ein Bettelverbot auferlegt. Das hält sie zwar nicht vom Betteln ab (da sie kein Geld haben, machen ihnen Bussen keine Angst), brandmarkt sie aber noch mehr in den blinden Augen des Gesetzes. Julien Berberat hat ihre Lieblingsorte eingefangen: hier eine Treppe, dort der Eingang zu einer Bank. Aber: Die Almosenbettler sind nicht da. Vielleicht sind sie nicht mehr da, oder noch nicht. Das fotografische Konzept ist nicht nur gut; es ist auch gerecht. Kein Voyeurismus, kein Pathos. Sondern eine plötzliche Erinnerung daran, dass diese bedürftigen Menschen auch einen Körper haben, Individuen und würdevolle Menschen sind, auch wenn sie in Not sind. Das Fehlen der Protagonisten auf den Bildern widerspiegelt unseren eigenen flüchtigen Blick. In unserem Alltag nehmen wir die Bettler kaum wahr und wenn, vergessen wir sie sogleich wieder. Wir vermeiden sogar, sie anzusehen. Bettler in Genf? Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen! Behutsam, aber auch starrsinnig, präsentiert Julien Berberat diese Menschen nicht auf Knien - er repräsentiert sie. Das ist nicht nur interessanter, sondern auch viel wirkungsvoller. Luc Debraine

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