Lionel Henriod

Eine der wenigen Einsendungen in Form eines Triptychons – drei Bildern in Folge.
Die Jury war sofort eingenommen von der Qualität der Bilder und ihrem Gehalt.
Die schöne Körnung, die Perspektive… Ein Hauch von Vermeer: lebendiges Licht und heller Teint. Von hinten, im Dreiviertelprofil, von vorne. Ein starker Effekt.
Eine Narbe windet sich von der Stirn zum rechten Mundwinkel, schlangenförmig, ein versiegtes rosa Rinnsal.
Die junge Frau sieht starr geradeaus, ihr Mund ist fest geschlossen, während sich unsere Lippen langsam öffnen.
Ordinäre Gewalt macht sich breit in unseren Städten und Dörfern, dringt ein in Winkel, wo man sie nicht erwartet, wo es beschaulich, freundlich zugeht. In diesem Fall ein Jazzfest am Rande von Lavaux, wo Weinberge das Seeufer säumen. Aber Intoleranz macht auch vor der Atmosphäre eines Ortes nicht Halt.
Sie tritt zu Tage, sobald Andersartigkeit stört und mit unserem Geschmack, unseren Vorurteilen kollidiert und damit den Vorwand für Übergriffe liefert. So auch hier. Zwei Mädchen treten nach einem Konzert hinaus in die Nacht. Ein Junge spricht sie an, beschimpft sie, weil die eine von ihnen eine Brille trägt. Das Unheil nimmt seinen Lauf. Die Geschichte endet blutig. Intoleranz zeichnet das Mädchen fürs Leben.
Die Bilder kommentieren, moralisieren nicht. Zerstörte Schönheit, schweigend im Angesicht der erlittenen Gewalt – nicht Meinung, sondern Zeugnis ablegend. Ein Werk von eleganter Kraft, ausgezeichnet mit dem vierten Preis – dem Sonderpreis der Jury für neue Talente.

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