Alfio Tommasini

Toleranz ist das Ergebnis der Zeit, die wir investieren, um zu beobachten, zu verstehen, ja vielleicht sogar zu mögen, was uns fremd erscheint, was uns trifft, wo wir es nicht erwarten, was uns dazu bringt, die Fundamente unserer Vorbehalte in Frage zu stellen.
So stellt sich die Arbeit von Alfio Tommasini dar – grosszügig, sensibel und empathisch.
Seine Reise in die Welt von Antonio und Paloma bewegt sich zwischen Reportage- und Dokumentarfotografie.
Keine inszenierten Posen, keine konstruierten Kompositionen, stattdessen eine Nähe zu seinen Modellen, die den jungen Fotografen förmlich in das Leben des ROMA-paares hineinzieht. Mann und Frau dieser Randgesellschaft haben sich gefunden und geheiratet, ohne den Clan um Erlaubnis zu bitten.  So wurden sie weggeschickt und führen nun zu zweit ein Leben im Wohnwagen am Rande des Ghettos, sie, die sonst inder Grossfamilie lebel. Das macht sie zu Ausgeschlossenen in einer eh schon ausgeschlossenen Gesellschaft. Dass ein ganz junger Fotograf, ein Tessiner, der in Madrid lebt, diese Menschen sieht, erkennt sich ihnen annähert und Bilder kleiner intimer Augenblicke schafft, voller Zärtlichkeit und Liebe, zeugt von seiner eigenen Menschlichkeit, von seiner journalistischen Neugierde und seinem fotografischen Geschick.  Arm in Arm liegen die beiden Menschen im nackten Licht eines Morgens, eine getaggte Mauer der einzige Horizont. Das Leid des Einen angesichts der Krankheit des Anderen. Die Arme öffnen für das Objektiv des Fotografen, während im Hintergrund der Fernseher rauscht. Die Augen schließen und die Hoffnung in sich aufsaugen.
Die Bilder Alfio Tommasinis zeugen vom Versprechen einer engagierten Fotografie, die nichts verherrlicht, weder das Elend, noch die Heimatlosigkeit. Einer Fotografie, die sich nicht zum solidarischen Begleiter erhebt, sondern die alle Beteiligten bestehen lässt, wie sie sind. Einer Fotografie der Toleranz. Ein verdienter dritter Preis.

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