Simon Krieger

Menschen sitzen vor mächtigen Militär-Bulldozern und fesseln sich an Olivenbäume, um diese vor der Entwurzelung zu bewahren. Sie stehen vor dem Gewehrlauf der Soldaten mit erhobenen Händen – nicht um aufzugeben, sondern um ihren Willen zu bekräftigen, gewaltfrei, jedoch mit Entschlossenheit, für ihre Freiheit einzustehen.

 Szenen wie diese gehörten zum Alltag in Bil‘in; als Israel damit begonnen hat; die Mauer zu bauen. Dieser „Anti-Terror- Zaun“, wie er in Israel absurderweise gerne genannt wird, schnitt 60% Prozent des Landes, tausende von Olivenbäumen sowie die lokalen Wasserreserven von Bil‘in ab. Hinter der Mauer befindet sich Modi‘in Illit, eine der grössten und am schnellsten wachsenden israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten. Da die Mehrheit der Palästinenser in diesem Gebiet Bauern sind, ist der Zutritt zu ihrem Land überlebenswichtig. Dieses grundsätzliche Recht wird ihnen jedoch nicht gewährt. So sind auch die uralten Olivenbäume hinter der Mauer wegen ausbleibender Pflege in Gefahr.

 Ich war nach Palästina gekommen, um mir ein eigenes Bild davon zu machen. Meine Faszination galt dabei dem Graswurzel-Widerstand, wie er in zunehmend mehr Dörfern des Westjordanlandes wächst. Menschen, die sich unabhängig von ihrer sozialen, politischen und religiösen Zugehörigkeit zusammenschliessen und sich der Besatzungsmacht unbewaffnet widersetzen. Palästinenser und Israelis gemeinsam.

 Diese Bewegung, die sich Menschen wie Gandhi und Mandela als Vorbild nimmt, steht in einer langen Tradition von gewaltfreiem Widerstand in Palästina. Sie wissen, dass sie mit gewaltfreien Mitteln und Entschlossenheit, ihre Freiheit, trotz massiver Repression, erlangen können.

 Es wird mit aller Kraft versucht den Widerstand – der sich hier nicht aus politischen Parteien, sondern von unten her formt – zu brechen. Mit dem gemeinsamen Engagement gegen die Besatzung setzten sie ein Zeichen: Dass, wenn die Politik versagt, die Probleme selbst in die Hand genommen werden können – und dass Frieden im Nahen Osten möglich ist.

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